Erster Clemensbrief

Übersetzung aus dem Griechischen: Carmen Roman, Theologin

Copyright: Carmen Roman 2011

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Erster Clemensbrief

geschrieben im ersten Jahrhundert, ca. 93-97 in Rom

1. Die Gemeinde Gottes, deren Mitglieder als Fremdlinge in Rom leben, an die Gemeinde Gottes, deren Mitglieder als Fremdlinge in Korinth leben, den im Namen Gottes durch unseren HERRN Jesus Christus berufenen Geheiligten: Gnade und Friede in Fülle mit euch von dem allmächtigen Gott! 1. (1) Wegen der Nöte und Schicksalsschläge, die uns unvorhergesehen und heftig trafen, melden wir uns erst spät, um uns nun aufgrund eures Begehrens eurem Anliegen zuzuwenden, Geliebte. Es geht um den Aufstand, der denen, die Gott auserwählt hat, unangemessen und fremd ist, um den gottlosen und unheiligen Aufstand, den einige stürmische und eingebildete Personen angezettelt haben. In solcher Tollkühnheit haben sie den Aufruhr entfacht, dass vor allen Menschen euer ehrwürdiger und hochgeschätzter Name schwer mit Übelreden überzogen wird. (2) Denn wer war bei euch zu Gast und hat euren völlig entschlossenen und starken Glauben nicht als solchen eingeschätzt, sich über eure besonnene und rechtschaffene Frömmigkeit in Christus nicht gewundert, die Art eurer sehr großen Gastfreundschaft nicht weitererzählt und eure vollkommene und sichere Erkenntnis nicht gepriesen? (3) Denn ihr tatet alles ohne Ansehen der Person und lebtet in Gottes Geboten, ihr ordnetet euch euren Leitern unter, ihr ließt euren Ältesten den geziemenden Respekt zukommen. Der Jugend trugt ihr maßvolle und ehrwürdige Gesinnung auf. Den Frauen gabt ihr auf, alles mit tadellosem, ehrbarem und heiligem Gewissen zu vollbringen, sich liebend ihren Männern unterzuordnen. Ihr lehrtet sie, nach der Regel der Unterordnung sich unterzuordnen und den Hausstand ehrbar zu führen, ganz besonnen. 2. (1) Ihr wart alle demütig gesinnt, überhaupt nicht großtuerisch, ihr ordnetet euch mehr unter als dass ihr jemanden unterworfen hättet, ihr wart eher Gebende als Nehmende. Mit dem, was Christus euch gab, wart ihr zufrieden, ihr bewahrtet seine Worte, sie waren in euren Herzen und euren Gedanken, auch seine Leiden, die ihr vor Augen hattet. (2) So war allen tiefer und reichlicher Friede gegeben und unermüdliche Leidenschaft, das Gute zu tun, es ereignete sich eine reichliche Ausgießung des heiligen Geistes auf alle. (3) Ihr recktet eure Hände zum allmächtigen Gott aus, wart voll mit heiligem Wollen, in guter Absicht und fromm, ihr batet ihn flehentlich, er möge gnädig sein, falls ihr versehentlich gesündigt hättet. (4) Ihr wart Tag und Nacht bemüht betreff all dieser Angelegenheiten unter Glaubensgenossen, damit durch Erbarmen und Gewissenhaftigkeit die Menge der Erwählten gerettet würde. (5) Ihr wart lauter, makellos und überhaupt nicht nachtragend untereinander. (6) Jeden Aufstand und jede Spaltung saht ihr als abscheulich an. Die Verfehlungen eurer Nächsten bedauertet ihr. Ihren Mangel betrachtetet ihr wie euren eigenen. (7) Alle guten Taten gereuten euch nicht, ihr wart bereit zu jedem guten Werk. (8) Ihr vollbrachtet alles in völlig tugendhafter und heiliger Haltung. Die Anordnungen und was der HERR fordert standen auf euren Herzenswänden geschrieben. 3. (1) Ehre die Fülle ist euch gegeben, es erfüllt sich, was geschrieben steht: “Er aß und trank und wurde gesättigt, und der Geliebte schlug aus und breitete sich aus” (Anklänge an 5. Mose 32, 15). (2) Daraus entwickeln sich Eifersucht, Zorn, Streit, Aufstand, Verfolgung und Verwirrung, Krieg und Gefangenschaft. (3) So erhoben sich die Geringgeschätzten gegen die Angesehenen, die nicht Geehrten gegen die Geehrten, die Unverständigen gegen die Verständigen, die Jungen gegen die Älteren. (4) Deshalb sind Gerechtigkeit und Friede weit entfernt, da jeder sich von der Gottesfurcht entfernt hat und der Glaube getrübt ist. Ihr lebt weder in den von IHM gebotenen Anordnungen, noch lebt ihr vor den Menschen im Gehorsam gegenüber Christus, sondern jeder wandelt nach dem Begehren seines schlechten Herzens, ungerechten Zorn und unfrommes Wesen haltet ihr hoch, wodurch “der Tod in die Welt gekommen ist” (siehe Weish. Sal. 2, 24). 4. (1) Es steht doch folgendermaßen geschrieben: “Eines Tages brachte Kain von den Früchten des Feldes Gott ein Opfer, und Abel brachte auch von den Erstgeborenen der Schafe und von ihrem Fett. (2) Aber Gott sah auf Abel und seine Gaben, Kain und sein Opfer aber achtete er nicht. (39 Kain wurde traurig und senkte sein Gesicht. (4) Gott sprach zu Kain: Worüber bist du traurig, weshalb senkst du dein Gesicht? Ist es nicht so, wenn du recht herbeibringst, dass du etwa recht unterscheidest, dass du gesündigt hast? (5) Halt! Deine Gaben sind dein, du bist Herr darüber. (6) Und Kain sprach zu seinem Bruder Abel: Wir wollen hinausgehen aufs freie Feld! Als sie auf dem freien Feld waren, ereignete es sich, dass Kain gegen seinen Bruder Abel aufstand und ihn tötete” (1. Mose 4, 3-8). (7) Seht, Brüder, Eifersucht und Hass führen zum Brudermord. (8) Unser Vater Jakob flüchtete vor seinem Bruder Esau aufgrund von Eifersucht. (9) Eifersucht bewirkte, dass Josef bis auf den Tod verfolgt wurde und in Sklaverei kam. (10) Eifersucht zwang Mose zur Flucht vor dem König Pharao von Ägypten als er von seinen Volksgenossen hören musste: “Wer hat dich zum Beurteiler bestellt oder zum Richter über uns? Willst du mich etwa töten, wie du gestern den Ägypter getötet hast?” (2. Mose 2, 14) (11) Aufgrund von Eifersucht mussten Aaron und Mirjam außerhalb des Lagers bleiben. (12) Eifersucht brachte Datan und Abiram bei lebendigem Leib in den Hades, weil sie sich gegen Mose, den Diener Gottes, auflehnten. (13) Aufgrund von Eifersucht erfuhr David Hass, nicht nur von Fremden, sondern er wurde auch von Saul, dem König Israels, verfolgt. 5. (1) Aber damit wir die Vorbilder verlassen, die früher lebten, wenden wir uns nun denen zu, die kürzlich zu Glaubenskämpfern geworden sind: Nehmen wir uns die trefflichsten Vorbilder unserer Generation vor: (2) Aufgrund von Neid und Hass wurden die wichtigsten und rechtschaffensten Säulen der Gemeinden verfolgt, sie kämpften bis zum Tod. (3) Wir wollen uns die guten Apostel vor Augen führen: (4) Zuerst Petrus, der aufgrund der Niedertracht der Feinde des Evangeliums weder einmal noch zweimal sondern vielfach Qualen erlitt, und so ging er als Märtyrer in den entsprechenden Ort ein, wo Herrlichkeit ist. (5) Auch Paulus stellte uns, aufgrund von Eifersucht in Leiden geraten, den Kampfpreis für das Erdulden vor Augen: (6) Siebenmal ertrug er Fesseln, wurde verjagt und gesteinigt, war ein Ausrufer des Evangeliums im Osten und im Westen, er erhielt die edle Frucht für seinen Glauben, guten Ruf. (7) Er hat den ganzen Weltkreis Gerechtigkeit gelehrt, und als er an den Höhepunkt seiner Gefangenschaft geraten war, hat er vor den Herrschern Zeugnis abgelegt. So schied er aus der Welt und wanderte an den heiligen Ort, er wurde das leuchtendste Beispiel. 6. (1) Diesen Männern, die heilig gelebt haben, wurde eine große Menge von Auserwählten hinzugefügt, die aufgrund von Eifersucht viele Misshandlungen und Prüfungen erlitten haben und an denen man sich das beste Vorbild nehmen kann. (2) Die Frauen Danaides und Dirkai wurden aufgrund von Eifersucht verfolgt, erlitten frevelhafte Misshandlungen und Greuel, daraufhin erlangten sie das sichere Ziel des Glaubens, sie empfingen edlen Lohn, sie, die körperlich Schwachen. (3) Eifersucht entfremdete Ehegrauen von ihren Männern und verdrehte den Ausspruch unseres Vaters Adam “Dies ist nun Knochen von meinem Knochen und Fleisch aus meinem Fleisch” (1. Mose 2, 23+24). (4) Eifersucht und Streit zerstörte große Städte und rottete große Völker aus. 7. (1) Geliebte, dies senden wir nicht nur, um euch zu ermahnen, sondern damit ihr euch selbst es ins Gedächtnis zurück ruft. Wir befinden uns alle auf demselben Kampfplatz, uns allen ist derselbe Kampf auferlegt. (2) Deshalb wollen wir nun die leeren und wertlosen Gedankengänge verlassen. Kommen wir nun zu unserer der Überlieferung entstammenden herrlichen und ehrenhaften, heiligen Regel (3) und betrachten wir, was im Angesicht unseres Schöpfers gut, lieblich und angenehm ist. (4) Sehen wir unverwandt auf das Blut Christi und erkennen wir, wie kostbar es unserem Vater ist! Denn es wurde zu unserem Heil ausgegossen und brachte der ganzen Welt Sinneswandel durch die Gnade. (5) Gehen wir alle Generationen durch und lernen wir, dass der HERR von Generation zu Generation denen Raum zur Sinnesänderung gab, die zu IHM umkehren wollten. (6) Noah verkündigte Sinnesänderung, und die Gehorsamen wurden gerettet. (7) Jona kündigte den Niniviten eine Katastrophe an. Die von ihren Sünden umkehrten, machten sich Gott geneigt, indem sie flehten und empfingen Rettung, obwohl sie vor Gott Fremde (= Heiden) waren. 8. (1) Die Gnadendiener Gottes haben durch den heiligen Geist über Sinnesänderung geredet. (2) Der HERR des Alls selbst hat gesagt und beeidet: Denn “ich lebe, spricht der HERR; ich will nicht den Tod des Sünders, sondern seine Umkehr” (Hes. 33, 11). Er setzt einen Sinnspruch hinzu: (3) “Wendet euch von der Gesetzlosigkeit ab, Haus Israel! Sprecht zu den Menschen meines Volkes: Wenn eure Sünden auf der Erde bis zum Himmel reichten, wenn sie röter wären als Scharlach und schwärzer als Sackzeug, und ihr würdet von ganzem Herzen zu mir umkehren und sagen: ‘Vater’, dann werde ich euch erhören wie ein heiliges Volk” (Zitat unbekannter Herkunft. Anm. der Übersetzerin). (4) An einer anderen Stelle sagt er folgendermaßen: “Wascht euch, und ihr werdet rein werden, entfernt die Bosheiten aus eurem Leben vor meinen Augen! Beendet eure bösen Taten, lernt Gutes zu tun, strebt nach dem Recht, beschützt den, der unrecht behandelt wird, schafft dem Elternlosen Recht und sorgt für Gerechtigkeit der Witwe, dann kommt und lasst uns einen Rechtsstreit führen, spricht der HERR; und wenn eure Sünden rot wie Purpur wären, werde ich weiß waschen wie Schnee, wenn sie scharlachrot wären, wasche ich weiß wie Wolle. Und wenn ihr auf mich hören wollt, werdet ihr die Güter des Landes essen. Wenn ihr aber nicht willig seid und nicht auf mich hört, wird das Schwert euch verzehren. Denn der Mund des HERRN hat dies gesprochen” (Jes. 1, 16-20). (5) Alle nun, die von ihm geliebt werden, will er an Sinnesänderung teilhaben lassen und stärkt sie durch seinen allmächtigen Willen. 9. (1) Deshalb wollen wir uns seinem erhabenen und herrlichen Willen unterordnen und lasst uns um Schutz flehentlich bitten und uns seinem großen Erbarmen zuwenden. Wir wollen uns auf seine Barmherzigkeit richten, indem wir die vergebliche Mühe hinter uns lassen: den Streit und den Eifer, der in den Tod führt. (2) Sehen wir auf die, die in vollkommener Weise seiner erhabenen Herrlichkeit dienten. (3) Nehmen wir Henoch, der im Gehorsam lebte und so als gerecht eingestuft wurde, er wurde (von Gott) weggenommen (aus dem Leben), und sein Tod wurde nicht festgestellt. (4) Noah wurde gläubig angetroffen; dadurch, dass er Gott diente, verkündigte er dem Erdkreis eine neue Entstehung. Und der HERR rettete durch ihn die Lebewesen, die einträchtig in die Arche gegangen waren. 10. (1) Abraham, als “Freund” bezeichnet (Jes. 41,8),    wurde gläubig befunden, da er sich den Worten Gottes unterordnete. (2) Dieser Mann gehorchte Gott und zog aus seinem Land, aus seiner Verwandtschaft und aus dem Haus seines Vaters weg. Er verließ ein kleines Land, eine schwächliche Verwandtschaft und ein kleines Haus. So bekam er die Zusagen Gottes. Denn der sprach zu ihm: (3) “Zieh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in ein Land, das ich dir zeigen werde. Und ich werde dich zu einem großen Volk machen, ich werde dich segnen und deinen Namen groß machen, und du wirst gesegnet sein. Und ich werde segnen, die dich segnen und werde verfluchen, die dich verfluchen, und in dir werden alle Geschlechter der Erde gesegnet sein” (1. Mose 12, 1-3). (4) Und auch als er sich von Lot trennte, sprach Gott zu ihm: “Erhebe deine Augen, sieh von dem Ort , an dem du jetzt bist, nach Norden und Süden und Osten und nach dem Meer! Denn das ganze Land, das du siehst, werde ich dir und deinen Nachkommen geben, bis in Ewigkeit. (5) Und ich werde deine Nachkommen machen wie den Staub auf der Erde. Wenn jemand den Staub auf der Erde zählen kann, wird auch deine Nachkommenschaft gezählt werden können”. (6) Und noch einmal heißt es: “Gott führte den Abraham hinaus und sprach zu ihm: Erhebe deine Augen zum Himmel und zähle die Sterne, ob jemand sie zählen kann? So wird deine Nachkommenschaft sein. Abraham aber glaubte Gott, und das wurde ihm zur Gerechtigkeit angerechnet” (1. Mose 15, 5-6). (7) Wegen seines Glaubens und seiner Gastfreundschaft wurde ihm im Alter ein Sohn gegeben, und aufgrund seines Gehorsams brachte er ihn Gott - zu einem Berg, den er ihm gezeigt hatte -, als Opfer. 11: (1) Aufgrund seiner Gastfreundschaft und Frömmigkeit wurde Lot aus Sodom gerettet, als die ganze Umgebung durch Feuer und Schwefel gerichtet wurde. Der Herr machte klar, dass er die, die in ihn ihre Hoffnung setzen, nicht die im Stich lässt, aber denen, die sich von ihm abwenden, Zurechtweisung und Schmach zuteil werden lässt. (2) Seine Frau zog mit ihm aus, war nicht eines Sinnes mit ihm, nicht in Eintracht. So wurde sie zur Salzsäule als Zeichen gesetzt, bis zu diesem Tag, damit alle erkennen, dass die Unbeständigen und die an Gottes Kraft zweifeln ins Gericht kommen und zu einem Zeichen für alle Generationen werden. 12: (1) Die Hure Rahab wurde auch aufgrund ihres Glaubens und ihrer Gastfreundschaft gerettet. (2) Es wurden von Josua, dem Sohn Nuns, Kundschafter nach Jericho ausgesandt. Der König des Landes erfuhr, dass sie gekommen waren, um ihr Gebiet zu erkunden. Er sandte Männer aus, um sie zu fangen, damit sie getötet würden. (3) Die gastfreundliche Rahab nahm sie auf und versteckte sie im Obergeschoss unter dem Flachs. (4) Die Kundschafter des Königs kamen zu Rahab und sagten: Die Kundschafter, die unser Land erkunden, sind bei dir eingekehrt. Gib sie heraus, denn der König verlangt das. Aber sie sagte: Die Männer sind zwar bei mir eingekehrt, aber sofort wieder gegangen und gehen ihres Wegs. Sie zeigte in die andere Richtung. (5) Und sie sagte zu den Männern: Ich erkenne, dass Gott der HERR euch das Land übergibt. Denn euer Furcht und Schrecken fiel auf seine Bewohner. Wenn ihr es nun einnehmt, errettet mich und mein Vaterhaus. (6) Sie sagten zu ihr: So soll es sein, wie du gebeten hast. Wenn du uns ankommen siehst, bring all die Deinen unter dem Dach zusammen, und ihr werdet errettet werden. Die aber außerhalb des Hauses vorgefunden werden, sind verloren. (7) Und sie rieten ihr, ein Zeichen zu geben, etwas aus dem Haus heraus zu hängen, etwas Rotes. (Jos. 2). Sie machte klar, dass durch das Blut des HERRN all denen Erlösung zuteil wird, die an Gott glauben und ihm vertrauen. (8) Betrachtet, Geliebte, dass nicht nur Glaube, sondern auch Prophetie in der Frau vorhanden war.               13. (1) Wir wollen also demütig gesinnt sein, Brüder, alle Großtuerei ablegen, auch Dünkel, Uneinsichtigkeit und Wut, statt dessen praktizieren, was geschrieben steht: Der heilige Geist spricht: “Der Weise sei in seiner Weisheit nicht unangemessen stolz, auch der Starke nicht in seiner Stärke, auch der Reiche nicht in seinem Reichtum, sondern: Wer rühmen will, rühme im HERRN, damit der ihn sucht und Recht und Gerechtigkeit praktiziert” (Jer. 9, 22+23). Vor allem wollen wir uns an die Worte des HERRN Jesus erinnern, der in seinen Predigten Nachsicht und Geduld lehrte: (2) Denn so sprach er: “Erbarmt euch, damit man sich über euch erbarmt. Vergebt, damit euch vergeben wird. So wie ihr euch verhaltet, wird man sich euch gegenüber verhalten. Wie ihr gebt, so wird euch gegeben werden. Wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden. So wie ihr euch gütig zeigt, wird man sich euch gegenüber gütig zeigen. Mit welchem Maß ihr messt, mit solchem wird man euch messen”. (Größenteils zitiert aus mündlicher Überlieferung oder aus außerkanonischer schriftlicher Tradition. Anm. der Übersetzerin). (3) Mit dem Gebot und diesen Anordnungen wollen wir uns stärken, damit wir gehorsam sind und gemäß seinen heiligen Worten in untertäniger Gesinnung leben. Denn es steht im heiligen Wort: (4) “Auf wen werde ich schauen, wenn nicht auf den Sanften, den Stillen und auf den, der meinem Wort gegenüber ehrfürchtig ist” (Jes. 66,2). 14. (1) Es ist also recht und heilig, Männer, Brüder, dass wir Gott in größtem Maße untertan werden, als denen zu folgen, die in Großtuerei und Unordnung Anführer zum abscheulichen Zorn sind. (2) Wir werden nicht den normalen Schaden über uns bringen, vielmehr große Gefahr, wenn wir uns waghalsig den Ansinnen der Leute ausliefern, die auf Streit und Aufruhr aus sind, um uns vom Guten abzubringen. (3) Wir wollen uns untereinander gütig zeigen wie es der Barmherzigkeit und Gutmütigkeit unseres Schöpfers entspricht. (4) Denn es steht geschrieben: “Die Gütigen werden das Land bewohnen, Unschuldige werden in ihm bleiben; aber die Gesetzesübertreter werden aus ihm ausgelöscht” (Ps. 37,9). (5) Und noch einmal heißt es: “Ich sah den Gottlosen hochragend und stolz wie die Zedern im Libanon. Und ich kam dort vorbei, und seht, er existierte nicht mehr. Ich suchte seinen Standort, aber ich fand ihn nicht. Bewahre Unschuld und achte auf Rechtschaffenheit, denn der Friedensmensch wird etwas hinterlassen” (Ps. 36,35-37 LXX. Übersetzung: C. Roman). 15: (1) Wir wollen uns also denen anschließen, die in frommer Gesinnung Frieden halten, und nicht denen, die “Frieden schaffen” wollen mit Heuchelei! (2) Es heißt an einer Stelle: “Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit von mir entfernt” (Jes. 29, 13). (3) Und wieder: “Mit ihrem Mund lobten sie, mit ihren Herzen machten sie nieder” (Ps. 61, 52 LXX, Übers.: C. Roman). (4) Und noch einmal heißt es: “Sie liebten ihn mit ihrem Mund, aber mit ihrer Zunge belogen sie ihn; ihr Herz war nicht aufrichtig ihm gegenüber, auch hielten sie sich nicht treu an seinen Bund” (Ps. 77, 36+37 LXX). (5) Deshalb “sollen die lügenden Lippen verstummen, die Böses gegen den Gerechten reden” (Ps. 30, 19 LXX). Und wieder: “Der HERR soll alle lügenden Lippen ausrotten, eine prahlende Zunge, die, die sagen: ‘Wir machen unsere Zunge groß, unsere Lippe ist unsere Sache. Wer ist unser HERR?’ (6) Wegen der Not der Armen und des Seufzens der Notleidenden werde ich mich nun erheben, spricht der HERR. Ich werde Rettung bringen, (7) ich werde offen mit ihm verfahren” (Ps. 11, 4-6 LXX. Übers.: C. Roman). 16: (1) Christus gehört nämlich zu den Demütigen, nicht zu denen, die sich über die Herde erheben. (2) Jesus Christus ist das Zepter, das zu Gottes Größe gehört. Er kam nicht in Prunk und Pracht oder Stolz, obgleich er das könnte, sondern in demütiger Haltung, wie der heilige Geist über ihn spricht. Er sagt: (3) “Herr, wer glaubt unserer Predigt? Und wem wird der Arm des Herrn offenbar? Wir verkündigen vor ihm, wie ein Kind ist er, wie eine Wurzel in durstigem Erdreich. Er hat weder Stellung noch Herrlichkeit. Aber wir sehen ihn, er hat weder Gestalt noch Schönheit, er wird nicht geschätzt. Er wird außer Acht gelassen im Vergleich zu den (anderen) Menschen. Er ist ein Mensch, der Schläge bekommt und Leid und so wie jemand, der Mangel erträgt, denn sein Angesicht war abgewandt, nicht geachtet und nicht geschätzt. (4) Dieser trägt unsere Sünde und leidet unseretwegen, wir schätzten ihn so ein, dass er im Leiden, unter Schlägen und misshandelt war. (5) Er selbst wurde wegen unserer Sünden verwundet und wegen unserer Übeltaten misshandelt. Die Strafe auf ihm, uns zum Frieden. Durch seine Striemen kommt uns Heilung zu. (6) Wir alle irrten wie Schafe umher, jeder war auf verkehrtem Weg. (7) Der Herr lieferte ihn aus, wegen unserer Sünden. Aber er öffnete seinen Mund nicht wegen der Misshandlungen. Wie ein Schaf wurde er zum Schlachten geführt, und wie ein Lamm vor seinem Scherer stumm ist, so öffnete er seinen Mund nicht. Sein Gericht wurde nicht aufgehoben in seiner Erniedrigung. (8) Wer wird von seinem Geschlecht reden? Sein Leben wurde ja von der Erde weggehoben. (9) Wegen der Übeltaten meines Volkes kommt er zu Tode. (10) Und ich werde die Bösen seinem Grab gegenüber setzen und die Reichen seinem Tod gegenüber. Er tat nämlich keine Übeltat, in seinem Mund wurde kein Betrug gefunden. Und der Herr will ihn befreien von den Schlägen. (11) Wenn ihr wegen eurer Sünden Opfer bringt, werdet ihr langlebige Nachkommenschaft sehen. (12) Und der Herr will die Qual in seinem Leben mindern, will ihm Licht zeigen und ihn mit Einsicht bilden, ihn gerecht sprechen, der vielen Segen bringt. Und er wird ihre Sünden wegnehmen. (13) Dafür wird er viele als Besitz erhalten und verteilt das von den Starken Erbeutete als Entgegnung dafür, dass sein Leben in den Tod ausgeliefert wurde und dafür, dass er zu den Übeltätern gezählt wurde. (14) Und er trug die Sünden vieler Menschen und wurde wegen ihrer Sünden ausgeliefert” (Jes. 53, 1-12). (15) Und wiederum sagt Jesus selbst: “Ich bin ein Wurm und kein Mensch, ein Schandfleck bei den Menschen, das Volk hält nichts von mir. (16) Alle, die mich sehen, verhöhnen mich, murmeln mit den Lippen, schütteln den Kopf. ‘Er hat auf den Herrn gehofft, der erlöse ihn. Er errette ihn, da er an ihm Gefallen hat’ ” (Ps. 21, 7-9 LXX). (17) Seht, geliebte Männer, wer das Beispiel ist, das uns gegeben ist. Wenn nämlich der HERR eine so demütige Haltung hatte, was werden wir tun, die wir durch ihn unter sein Gnadenjoch gekommen sind? 17: (1) Wir wollen auch jene nachahmen, die in Ziegenfellen und Schafspelzen (vgl. Hebr. 11, 37) herumzogen und die Ankunft Christi verkündigten. Wir meinen aber Elia und Elisa, auch Hesekiel, die Propheten, denen auch ein gutes Zeugnis ausgestellt wird. (2) Dem Abraham wurde ein gutes Zeugnis ausgestellt, er wurde Gottes Freund genannt. Er sagte demütig, als er Gottes Herrlichkeit sah: “Ich bin Erde und Asche” (1. Mose 18, 27). (3) Über Hiob steht folgendermaßen geschrieben: Hiob aber “war gerecht, untadelig, aufrichtig, gottesfürchtig und mied alles Böse” (Hiob 1,1). (4) Er klagt sich aber selbst an: Niemand “ist rein von Schmutz”, auch nicht, wenn “sein Leben nur einen Tag dauerte” (vgl. Hiob 14, 4+5). (5) Mose wurde “treu in seinem ganzen Haus” genannt, und durch seinen Dienst richtete Gott Ägypten durch Plagen und Leiden. Aber obwohl er hoch geehrt wurde, führte er keine großen Reden, sondern er sagte, als ihm aus dem Dornbusch die göttliche Anweisung gegeben wurde: “Wer bin ich, dass du mich sendest? Ich aber habe wenig Mut und rede langsam” (2. Mose 4, 10). Und wiederum sagt er: “Ich bin Dampf aus einem Topf” (Zitat unbekannter Herkunft. Anm. der Übersetzerin). 18: (1) Was sagen wir nun über David und das Zeugnis über ihn? Über ihn sagte Gott: “Ich fand einen Mann nach meinem Herzen, David, den Sohn des Isai. In ewigem Erbarmen habe ich ihn gesalbt” (Ps. 88, 21 LXX). (2) Aber er sagt auch zu Gott: “Erbarme dich, Gott, nach deinem großen Erbarmen, und nach der Fülle deiner Erbarmungen tilge meine Übertretungen! (3) Wasche mich mehr und mehr von meinen Übeltaten und reinige mich von meinen Sünden! Ich erkenne meine Übertretungen, meine Sünde steht mir stets vor Augen. (4) Nur dir gegenüber habe ich gesündigt, das Böse habe ich dir gegenüber getan, damit du als gerecht angesehen wirst in deinen Worten, damit du siegst, wenn du mich richtest. (5) Sieh, in Sünde wurde ich empfangen, in Sünden wollte mich meine Mutter. (6) Sieh, du liebtest Wahrheit. Das Unsichtbare und Verborgene der Weisheit offenbartest du mir. Du hast mich mit Ysop besprengt, und ich werde rein werden. Du wirst mich waschen, und ich werde weißer werden als Schnee. (8) Du wirst mich Jubel und Freude hören lassen, niedere Knochen werden jubeln. (9) Wende dich von meiner Sünde, lösche all meine Ungerechtigkeiten aus! (10) Schaffe in mir ein reines Herz, Gott, gib in mein Inneres einen neuen, rechten Geist! (11) Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, nimm deinen heiligen Geist nicht von mir weg! (12) Gib mir die Freude, dass du mich rettest, stärke mich mit führendem Geist. (13) Ich will die Sünder deine Wege lehren, die Gottlosen werden sich zu dir wenden. (14) Errette mich aus Bluttaten, Gott, du Gott, der mich rettet. (15) Meine Zunge wird deine Gerechtigkeit bejubeln. Herr, du wirst meinen Mund öffnen, meine Lippen werden dich loben. (16) Denn wenn du ein Opfer gewollt hättest, hätte ich es dargebracht. Du wirst kein Gefallen an Brandopfern haben. (17) Ein zerschmetterter Geist ist ein Opfer für Gott. Gott wird ein zerschmettertes und demütiges Herz nicht verachten” (Ps. 50, 3-19 LXX). 19. (1) Durch die Berichte über die Demut und Bescheidenheit solcher und so vieler Männer und durch ihren Gehorsam werden nicht nur wir, sondern wurden auch die Generationen vor uns besser gemacht, also diejenigen, die Gottes Worte in Ehrfurcht und wahrhaftig annahmen. (2) Da uns nun viele, große und Herrlichkeit verkündende Taten gegeben sind, und zwar durch das Friedensziel, das uns seit Anfang überliefert ist, und wir den Vater und Schöpfer des ganzen Weltalls fest vor Augen haben, halten wir ebenso an seinen übergroßen und übermäßigen Friedensgaben und Wohltaten fest. (3) Wir wollen nun rechter Erkenntnis gemäß auf IHN sehen und mit den Augen der Seele seinen großmütigen Willen betrachten. Wir werden erkennen, wie ohne jeden Zorn Gott seine ganze Schöpfung regiert. 20: (1) Die Himmel bewegen sich aufgrund seines Waltens, friedlich sind sie ihm untertan. (2) Tag und Nacht vollbringen ihren Lauf, ihm untertan, sie hindern sich gegenseitig nicht. (3) Sonne, Mond und alle Sterne im Reigen wandern einträchtig, gemäß seinem Befehl, ohne je von ihrer Bahn abzuweichen. (4) Die Erde trägt Früchte nach seinem Willen, zu den jeweiligen Zeiten trägt sie für Menschen und Tiere die Fülle, allen Lebewesen auf der Erde bringt sie Nahrung hervor. Sie ist dabei nicht zwiespältig, es ändert sich nichts an dem, was ihr aufgetragen ist. (5) Unermessliches, Unergründliches, unterhalb der Erde nicht aufzuzählende Gegebenheiten, aufrechterhalten durch die selben Anordnungen. (6) Die Fülle des unendlichen Meeres, nach seinem Schöpfungsplan aufgestellt, damit es zusammenfließt, überschreitet die um es herum gesetzten Dämme nicht, sondern fließt innerhalb des ihm gesetzten Bereichs. (7) Denn er hat gesagt: “Bis hierher wirst du kommen, und deine Wogen werden in dir zusammenfallen” (Anklänge an Hiob 38,11). (8)  Der Ozean ist für die Menschen nicht zu durchfahren, die Welten hinter ihm werden mit der selben Führung des Weltenherrschers zurechtgewiesen. (9) Die Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter gehen friedlich ineinander über und wechseln sich ab. (10) Die Standorte der Winde vollführen ihren Lauf nach ihrer eigenen Ordnung, ohne irgendwo anzustoßen. Nie versiegende Wasser, zum Nutzen und für die Gesundheit geschaffen, gewähren den Menschen ohne Unterbrechung die Lebensquelle. Auch die niedersten Tiere haben ihre friedlichen und einträchtigen Zusammenkünfte. (11) Der große Schöpfer und Herr über alles hat angeordnet, dass dies alles in Frieden und Eintracht geschieht, er versorgt das All mit Wohltaten, er überragt uns, die wir durch Jesus Christus, unseren HERRN, zu seinem Erbarmen Zuflucht nehmen. (12) IHM sei die Ehre und die Majestät in alle Ewigkeiten! Amen. 21: (1) Achtet darauf, Geliebte, dass seine vielen Wohltaten uns nicht zur Verurteilung werden, wenn wir nämlich nicht seiner würdig leben, das Gute und ihm Wohlgefällige nicht einträchtig tun. (2) Denn es heißt an einer Stelle: “Der Geist des Herrn ist eine Leuchte, die erforscht, wie es im Inneren aussieht” (vergl. Spr. 20, 27). (3) Betrachten wir, wie nahe er ist und dass ihm nichts von unseren Gedanken und Erwägungen verborgen ist. (4) Es ist also recht, wenn wir uns von seinem Willen nicht entfernen. (5) Eher wollen wir bei dummen, unverständigen, überheblichen und eingebildeten, großtuerisch redenden Leuten Anstoß erregen, als bei Gott. (6) Wir wollen den HERRN Jesus verehren, dessen Blut für uns gegeben worden ist, unsere Leiter achten, die Presbyter respektieren, die Jugend wollen wir in der Gottesfurcht erziehen, unsere Frauen wollen wir noch besser zum Guten zurechtweisen: (7) Sie sollen die liebenswerte Sitte der Tadellosigkeit vorweisen, den reinsten Willen zur Sanftheit beweisen, die Tugend ihres Redens durch Schweigen vorführen. Die Liebe der Frauen sollen sie nicht nach Lust und Laune praktizieren, sondern allen Gottesfürchtigen in heiligem Wandel zuwenden. (8) Unsere Kinder sollen eine Erziehung in Christus erhalten. Sie sollen lernen, was untertänige Gesinnung vor Gott ist, was reine Liebe vor Gott vermag, wie gut und groß die Gottesfurcht ist und alle rettet, die sich heilig IHM entgegen recken in reiner Gesinnung. (9) ER erforscht Gedanken und innere Einstellung, ER, dessen Odem in uns ist und der ihn wieder nehmen kann, wenn er will. 22: (1) All dies bestätigt der Glaube an Christus. Er selbst nämlich ruft uns durch den heiligen Geist herbei: “Kommt, Kinder, hört auf mich! Ich werde euch Gottesfurcht lehren. (2) Wer will leben, gute Tage und Gutes erfahren? (3) Rede nichts Böses mehr, lass deine Lippen nicht listig zischen! (4) Wende dich vom Bösen ab und tue Gutes! (5) Strebe nach Frieden, jage ihm nach! (6) Die Augen des HERRN über den Gerechten, seine Ohren denen geneigt, die ihn bitten. Sein Angesicht gegen die Übeltäter, damit man sich auf Erden nicht an sie erinnert. (7) Der Gerechte flehte, und der HERR erhörte ihn. (8) Viele Hiebe dem Sünder, aber die auf den HERRN hoffen, werden vom Erbarmen des HERRN umgeben” (Ps. 33, 12-18 LXX; Ps. 31, 10 LXX). 23: (1) Der vollkommen barmherzige und wohltuende Vater hat Erbarmen gegenüber allen, die ihn fürchten, freundlich und wohlwollend spendet er denen, die in einfältiger Haltung zu ihm kommen, seine Gnadengaben. (2) Deshalb wollen wir nicht zweifeln, und unsere Seele darf nicht seinen überschwenglichen und herrlichen Gaben misstrauen. (3) Es sei fern von uns, was geschrieben steht: “Die Zweifler sind armselig, die Zwiespältigen, die sagen: ‘Dies hörten wir auch über unsere Väter. Aber seht, wir sind alt geworden, nichts davon ist uns passiert’. (4) O Unverständige, vergleicht uns mit Holz. Nehmt einen Weinstock: Zuerst wirft er Blätter ab, dann wächst etwas, ein Blatt, dann eine Blüte, dazu eine Spättraube, dann eine reife Traube” (Zitat unbekannter Herkunft. Anm. der Übersetzerin). Seht, die Frucht am Holzstamm entsteht schnell. (5) Wahrhaftig, sein Wille wird schnell und ohne Zögern erfüllt werden, was auch die Schrift bezeugt, denn “schnell wird er kommen und ohne Zögern; der HERR wird plötzlich in sein Heiligtum kommen, der Heilige, den ihr erwartet” (Jes. 13, 22 LXX). 24: (1) Geliebte, bedenken wir, wie der HERR uns ununterbrochen anzeigt, dass es die künftige Auferstehung geben wird, zu deren Anfang er den HERRN Jesus Christus gemacht hat, den er aus den Toten auferweckt hat (s. Apg. 2, 24). (2) Geliebte, wir wollen über die zu ihrer Zeit eintretende Auferstehung nachdenken. (3) Tag und Nacht machen uns etwas über die Auferstehung klar: Die Nacht geht vorbei, der Tag steht auf. Der Tag vergeht, die Nacht kommt herbei. (4) Nehmen wir die Früchte: Wie, auf welche Weise geschieht das Säen? (5) Es ging ein Sämann aus und warf jedes der Samenkörner auf die Erde. Einige fallen trocken und lose auf die Erde und lösen sich auf. Nach der Auflösung stellt die mächtige Fürsorge des Herrn sie auf, und aus den einzelnen wächst Fülle heraus und bringt Frucht. (Keine literarische Beziehung zu Mark. 4, 3. Anm. der Übersetzerin). 25: (1) Sehen wir auf das außergewöhnliche Zeichen, das es in den östlichen Gebieten gibt, das heißt um Arabien herum. (2) Es gibt nämlich einen Vogel, der Phönix genannt wird. Es gibt nur einen einzigen, er lebt fünfhundert Jahre. Wenn er der Auflösung, die bei seinem Tod eintritt, nahe ist, baut er sich ein Nest aus Weihrauch und Myrrhe und den übrigen Gewürzen, in die steigt er hinein, wenn die Zeit da ist, und stirbt. (3) Während das Fleisch fault, entsteht ein Wurm, der sich aus dem Fäulnissaft nährt und Flügel bekommt. Wenn er dann kräftig geworden ist, hebt er jenes Nest auf, in dem sich die Knochen des vorigen Vogels befinden, er hebt es empor und legt den Weg vom arabischen Gebiet bis nach Ägypten zurück bis in die Stadt, die Heliopolis genannt wird. (4) Am Tag, wenn alle hinschauen, legt er es nieder auf den Altar des Helios und kehrt wieder zurück. (5) Die Priester sehen nun in den Zeitaufzeichnungen nach und entdecken, dass er nach Vollendung des fünfhundertsten Jahres gekommen ist. 26: (1) Sehen wir dies nun als große und erstaunliche Angelegenheit an, wenn der Schöpfer des Alls eine Auferstehung derer bewirken wird, die ihm fromm dienten in überzeugter, rechter Glaubenshaltung, da uns sogar ein Vogel die Größe seiner Zusage veranschaulicht? (2) Es heißt irgendwo: “Und du wirst mich auferwecken, und ich werde dich preisen” (nicht wörtlich im AT, vergl. Ps. 27, 7 LXX; Ps. 87, 11 LXX). Und: “Ich schlief ein und ruhte, ich wurde geweckt, denn du bist bei mir” (vgl. Ps. 3,6). (3) Und Hiob sagt wiederum: “Du wirst mein Fleisch, das dies alles erduldet hat, auferwecken” (vgl. Hiob 19, 26). 27: (1) Durch diese Hoffnung nun sind unsere Seelen durch Glauben an den gebunden, der in seinen Verheißungen treu und in seinen Rechtssprüchen gerecht ist. (2) Der angeordnet hat: Lügt nicht!, wie viel mehr wird der selbst nicht lügen? (3) Der Glaube an ihn soll sich nun in uns entzünden, und wir sollen bedenken, dass ihm alles nahe ist (vgl. Apg. 17, 27). (4) Er erschuf das All durch das Wort, das aus seiner Majestät herausgeht, und mit einem Wort kann er es zerstören. (5) “Wer wird zu ihm sagen: Was hast du getan? Oder wer wird gegenüber seiner Macht aufstehen? Weil er Willen hat und wie er es will, wird er alles machen, und nichts von seinen Anordnungen wird vergehen (vgl. Matth. 24, 35). (6) Alles steht vor ihm, nichts ist seinem Ratschluss verborgen. (7) “Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, das Firmament verkündigt das Werk, das seine Hände tun. Ein Tag ruft dem anderen ein Wort zu, eine Nacht gibt der anderen Kunde. Und es gibt keine Worte oder Reden, deren Klang nicht gehört wird” (Ps. 18, 2-4 LXX). 28: (1) Nach allem, was wir nun gesehen und gehört haben, wollen wir IHN fürchten und die schlechten Taten beenden, die aus unreinen Begierden kommen, damit wir durch sein Erbarmen vor dem kommenden Gericht bewahrt werden. (2) Wohin denn kann jemand vor uns von seiner starken Hand weg fliehen? Was für eine Welt wird jemanden aufnehmen, der von ihm weg gelaufen ist? In der Schrift steht nämlich irgendwo: (3) “Wo werde ich hingehen und wo mich verbergen vor deinem Angesicht? Wenn ich in den Himmel hinauf steige, bist du dort. Wenn ich weg ginge ans Ende der Erde, ist dort deine Rechte. Wenn ich in die tiefsten Tiefen der Unterwelt hinab stiege, ist dort dein Geist” (vgl. Ps. 138, 7-10 LXX). (4) Wohin nun könnte jemand gehen und entweichen vor dem, der alles umfasst? 29: (1) Treten wir also zu IHM mit heiligen Seelen, indem wir reine und unbefleckte Hände zu ihm erheben! Wir wollen unseren gütigen und barmherzigen Vater lieben, der sich uns zu seinem auserwählten Teil gemacht hat. (2) Denn so steht geschrieben: “Als der Höchste die Völker teilte, die Söhne Adams zerstreute, setzte er für die Völker der Zahl der Engel Gottes entsprechende Gebiete fest. Sein Volk Jakob wurde zum Teil des Herrn, Israel wurde sein zugemessener Besitz” (5. Mose 32, 8+9 LXX). (3) Und an anderer Stelle heißt es : “Seht, der Herr nimmt sich ein Volk aus der Mitte der Völker” (vgl. 5. Mose 4, 34) wie ein Mensch seine Erstlingsgabe von der Tenne nimmt. Und aus jenem Volk wird das Allerheiligste hervorgehen. 30: (1) Da wir also ein heiliger Teil sind, wollen wir alles tun, was zur Heiligung gehört, von bösem Reden Abstand nehmen, auch von unreinen und abscheulichen Begierden, von Grauenhaftem und Ehebruch, unangemessenem Stolz. (2) Denn Gott “widersetzt sich dem Stolzen, aber dem Demütigen gibt er Gnade” (Spr. 3, 34). (3) Wir wollen uns also zu jenen halten, denen von Gott die Gnade gegeben ist! Legen wir die Eintracht an in demütiger Haltung und selbstbeherrscht, halten wir uns fern von allem verleumderischen und bösartigen Reden! Statt dessen wollen wir tatkräftig dienen und nicht schwätzen.(4) Denn es heißt: “Wer viel redet, wird viel hören. Oder meint der Schwätzer, er sei gerecht? (5) Gepriesen sei der von einer Frau geborene, der nur kurze Zeit lebt. Werde nicht zu einem, der viel redet!” (Hiob 11, 2+3 LXX). (6) Wir wollen Gott durch Gott loben, nicht von uns selbst aus! Gott hasst nämlich Leute, die sich selbst loben. (7) Andere sollen unsere guten Taten loben wie es unseren gerechten Vätern geschah. (8) Frechheit, Rechthaberei und Vermessenheit bei den von Gott Verfluchten; Freundlichkeit, Demut und Geduld bei den von Gott Gesegneten! 31: (1) Wir wollen uns nun an seinen Segen halten und sehen, welches die Segenswege sind. Überdenken wir, was sich von Anfang an ereignete: (2) Weswegen wurde unser Vater Abraham gesegnet? Nicht weil er Gerechtigkeit und Wahrheit praktizierte? (3) Isaak ließ sich mit Zuversicht gerne als Opfer hinführen, da er erkannte, was kommen würde. (4) Jakob zog aus seinem Gebiet in demütiger Haltung wegen seines Bruders, wanderte zu Laban und diente, und ihm wurde das Zwölfstämmereich Israels gegeben. 32: (1) Wenn jemand alles einzeln gut betrachtet, erkennt er die Größe der Gaben, die Gott gibt. (2) Von Jakob stammen alle Priester und Leviten ab, die für den Opferdienst vor Gott eingesetzt waren. Von ihm stammt der Herr Jesus Christus in menschlicher Hinsicht ab. Von Jakob stammen Könige, Herrscher und Fürsten über Juda ab. Seine anderen Herrschaftsgebiete haben nicht geringes Ansehen, denn Gott hat verheißen, dass “deine Nachkommenschaft so sein wird wie die Sterne am Himmel” (vgl. 1. Mose 15,5). (3) Alle wurden nicht durch sich selbst herrlich und groß gemacht oder aufgrund von Werken oder Dienstfertigkeiten, die sie vollbrachten, sondern durch Gottes Willen. (4) Und wir nun, die wir durch seinen Willen in Christus Jesus auserwählt sind, werden nicht durch uns selbst gerechtfertigt, weder durch unsere Weisheit noch unsere Einsicht oder Frömmigkeit, auch nicht durch Werke, die wir mit frommen Herzen vollbringen, sondern durch den Glauben, durch den der allmächtige Gott alle von Ewigkeit her gerechtfertigt hat. Dem sei die Ehre in alle Ewigkeiten. Amen. 33: (1) Was tun, Brüder? Wollen wir die guten Taten einstellen und die Liebe beenden? Nie und nimmer möge dies eintreten, der Herr möge es verhindern! Vielmehr wollen wir uns sputen, mit Beharrlichkeit und Eifer “jedes gute Werk” (vgl. 2. Kor. 9,8) zu vollenden. (2) Er selbst nämlich, der Schöpfer und Herr des Alls, freut sich über seine Werke. (3) Mit seiner unübertrefflichen Macht hat er die Himmel fest aufgestellt und mit seinem unfassbaren Vermögen geschmückt und geordnet. Er trennte die Erde von dem sie umgebenden Wasser, er setzte sie auf das Fundament, das in seinem eigenen zuverlässigen Willen besteht. Den auf der Erde lebenden Wesen befahl er, in seiner eigenen Ordnung zu bestehen. Das Meer und die in ihm lebenden Tiere hatte er vorher erschaffen und schloss sie ein in seine eigene Macht. (4) Vor allem schuf er durch seine heiligen und untadeligen Hände das Hervorragendste und Allergrößte: den Menschen als das Abbild seiner selbst. (5) So sprach Gott: “’Wir wollen einen Menschen schaffen nach unserem Bild und uns ähnlich’. Und Gott schuf den Menschen, männlich und weiblich schuf er sie” (1. Mose 26+27). (6) Als er dies alles vollendet hatte, ruhte Gott, lobte und sprach: “Seid fruchtbar und vermehrt euch!” (1. Mose 1, 28). (7) Beachten wir, dass wir Gerechten mit allen guten Werken geschmückt sind, auch der Herr selbst schmückt sich ja mit guten Werken und freute sich. (8) Da wir nun dieses Beispiel haben, wollen wir ohne Zögern voranschreiten zu seinem guten Willen. Aus alle unsere Kraft wollen wir gerechte Taten tun! 34: (1) Ein guter Arbeiter nimmt freudig das Brot als Lohn für seine Arbeit entgegen. Der lahme und faule kann seinem Auftraggeber nicht in die Augen sehen. (2) Wir müssen uns also um gute Werke bemühen, denn alles kommt von Gott. (3) Er sagt uns nämlich voraus: “Seht, der Herr, und seine Fülle vor ihm! Er wird jedem geben, was seinen Werken angemessen ist” (vgl. Jes. 40, 10). (4) Er mahnt uns also, die wir von ganzem Herzen auf ihn vertrauen, dass wir weder träge noch nachlässig sind allem guten Werk gegenüber. (5) Wir wollen also IHN loben mit freudiger Gesinnung! Wir wollen uns seinem Willen unterordnen! Denken wir an die ganze Menge seiner Engel, wie sie bereit stehen und seinem Willen dienen. (6) Es steht nämlich in der Schrift: “Tausend mal Tausende” stehen vor ihm und “Myriaden mal Myriaden” dienen ihm (vgl. Dan. 7, 10). “Und sie riefen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth”, die ganze Schöpfung “ist erfüllt von seiner Herrlichkeit” (Jes. 6,3). (7) Und wir wollen nun - einträchtig, an einem Ort, gemeinsam , wie mit einem Mund - beharrlich zu ihm rufen, damit wir seiner großen und herrlichen Verheißungen teilhaftig werden. (8) Denn er sagt: “Kein Auge hat gesehen, kein Ohr hat gehört, in kein Menschenherz ist gekommen, wie Großes er denen bereitet hat, die auf ihn harren” (vgl. Jes. 64,3 u. 1. Kor. 2,9). 35: (1) Geliebte, wie wunderbar und bestaunenswert sind die Gaben Gottes: (2) Leben in Unsterblichkeit, Ruhm in Gerechtigkeit, Wahrheit in Freudigkeit, Glaube in Gewissheit, Kraft in Heiligung. Das alles fiel in den Bereich unserer Einsicht. (3) Was ist nun also denen bereitet, die ausharren? Der Schöpfer und Vater der Äonen, der Allheilige, kennt die Größe und Schönheit seiner Gaben. (4) Wir wollen nun kämpfen, damit wir bei der Zahl derer gefunden werden, die ausharren, dass wir die verheißenen Gaben empfangen. (5) Wie wird das sein, Geliebte? Wenn unser Sinn fest und gläubig auf Gott gerichtet ist, wenn wir nach dem streben, was vor ihm köstlich und angenehm ist, wenn wir vollbringen, was seinem untadeligen Willen entspricht, dem Weg der Wahrheit folgen, alle Ungerechtigkeit und Schlechtigkeit von uns werfen, auch Streit, Bosheit und Hinterlist, Übelreden und Verleumdungen, Feindschaft gegen Gott, Überheblichkeit und Prahlerei, Ehrsucht und Ungastlichkeit. (6) Die solches tun, sind Gott ein Greuel, “nicht nur die es tun, sondern auch, die damit einverstanden sind” (vgl. Röm. 1, 32). (7) Es steht ja in der Schrift: “Gott sprach zum Sünder: Weshalb gehst du meine Satzungen durch und nimmst meinen Bund in deinen Mund? (8) Du hasst Erziehung und lässt meine Worte hinter dir. Wenn du einen Dieb sahst, gingst du mit ihm, mit Ehebrechern machtest du gemeinsame Sache. Dein Mund war voll mit Bösem, deine Zunge floss über von betrügerischem Zeug. Du saßest und redetest Böses über deinen Bruder, gegen den Sohn deiner Mutter stelltest du eine Falle. (9) Dies hast du getan, und ich schwieg. Du Gesetzloser, du dachtest, ich sei dir gleich. (10) Ich werde dich überführen und dich dir selbst vor die Augen führen. (11) Versteht es doch, die ihr Gott vergessen habt, damit ich nicht fortschleppe” wie ein Löwe “und kein Retter da ist. (12) Ein Lobopfer wird mich ehren, und dort ist der Weg, auf dem ich ihm die Rettung zeigen werde, die Gott vollbringt” (Ps. 49, 16-23 LXX). 36: (1) Dies ist der Weg, Geliebte, auf dem wir unsere Rettung finden: Jesus Christus, der Hohepriester, der uns Gaben gibt, das Haupt und der Helfer gegen unsere Schwachheit: (2) Durch ihn blicken wir hinauf in Himmelshöhe, durch ihn sehen wir IHN wie in einem Spiegel: rein und hoch erhaben, durch ihn sind die Augen unseres Herzens geöffnet worden, durch ihn kommt unser unverständiger und verfinsterter Geist zu neuen Kräften und zum Licht empor. Durch ihn wollte der Herr uns die unvergängliche Erkenntnis kennen lernen lassen, dass “der Abglanz seiner Majestät um so viel größer ist als die Engel, wie sein ihm zugeteilter Name den ihren überragt” (s. Hebr. 1, 3+4). (3) Denn so steht geschrieben: “Er macht seine Engel zu Winden und seine Diener zu Feuerflammen” (Ps. 103, 4 LXX). (4) Der Herr sagt über seinen Sohn: “Du bist mein Sohn, ich habe dich heute gezeugt”. (Ps. 2, 7). “Fordere von mir, dann gebe ich dir Völker zum Erbe und die Enden der Erde zum Besitz” (Ps. 2, 8). Und noch einmal sagt er zu ihm: “Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zur Fußbank unter deine Füße setze” (Ps. 110, 1). (6) Wer sind nun die Feinde? Die Bösen, die sich seinem Willen widersetzen. 37: (1) Wir wollen nun den Kampf kämpfen, Männer, Brüder, mit aller Ausdauer gegenüber seiner Anordnung! (2) Betrachten wir die Kämpfer, die unter unseren Herrschern dienen, wie genau, wie gehorsam, wie untertänig sie die Befehle ausführen! (3) Nicht alle geben Befehle oder sind Anführer von tausend, fünfzig oder hundert Mann und so fort, aber jeder führt auf seinem Posten die Befehle des Königs und der Anführer aus. (4) Die Großen können nicht ohne die Kleinen sein, auch nicht die kleinen ohne die Großen. Bei allem gibt es irgend eine Zusammenstellung, dadurch die Wirksamkeit. (5) Nehmen wir unseren Körper: der Kopf kann nicht ohne die Füße sein, die Füße nicht ohne den Kopf. Auch die geringsten Glieder unseres Körpers sind notwendig und nützlich für den ganzen Körper. Sie alle leben gemeinsam und dienen in einmütiger Unterordnung der Erhaltung des ganzen Körpers. 38: (1) Der ganze Leib Christi soll uns also erhalten werden, und jeder soll seinem Mitmenschen untergeordnet sein, wie es ihm gemäß der Gnadengabe gegeben ist. (2) Der Starke soll für den Schwachen sorgen, der Schwache soll den Starken achten. Der Reiche soll den Armen unterstützen, der Arme soll Gott dafür danken, dass er dem Reichen die Möglichkeit gab, ihm aus seinem Mangel zu helfen. Der Weise soll seine Weisheit nicht mit Worten unter Beweis stellen, sondern mit guten Werken. Der Demütige soll sich nicht selbst ein Zeugnis ausstellen, sondern ein anderer soll für ihn zeugen. Der in menschlicher Hinsicht selbstbeherrscht lebt, soll nicht unangemessen stolz sein, sondern erkennen, dass ein anderer ihn stärkt, guten Gewissens selbstbeherrscht zu leben. (3) Brüder, wir wollen nun bedenken, aus welchem Stoff wir entstanden sind, wie und wer wir waren, als wir in die Welt kamen, aus welcherlei Grab und welcher Finsternis der uns gebildet hat, der unser Schöpfer ist und uns in seine Welt gebracht hat, er hatte ja seine Wohltaten schon vorher bereitet, bevor wir entstanden. (4) Da wir nun dies alles von ihm haben, müssen wir ihm für alles danken. Ihm sei die Ehre in alle Ewigkeiten. Amen. 39: (1) Leute ohne Vernunft und Einsicht, Dumme und die sich nicht überzeugen lassen verspotten uns und rümpfen die Nase. Sie wollen sich selbst hoch setzen, denn sie sind eingebildet. (2) Was kann denn ein Sterblicher? Welche Kraft hat ein Erdenmensch? (3) Es steht ja geschrieben: “Ich hatte keine Gestalt vor Augen, nur Hauch, und ich hörte eine Stimme. (4) Was nun? Wird ein Sterblicher vor dem Herrn rein sein? Oder wird ein Mensch untadelig aufgrund seiner Werke, wenn er seinen Knechten nicht vertrauen kann und von seinen Engeln etwas Verkehrtes wahrnahm? (5) Der Himmel ist nicht rein vor Gott. Wie sollten es die sein, die in Lehmhütten wohnen, aus Lehm sind sie selbst, wir sind aus Lehm gemacht. Er schlug sie wie eine Motte, sie existieren nicht mehr vom Morgen bis zum Abend. Sie gingen zugrunde, da sie sich nicht selbst helfen konnten. (6) Er gab Leben ein, aber sie starben, weil sie keine Weisheit hatten. (7) Rufe doch, ob dich wohl jemand hören wird, oder ob du irgendeinen von den heiligen Engeln sehen wirst. Den Menschen ohne Einsicht reibt Zorn auf, Eifersucht tötet einen Verwirrten. (8) Ich aber sah, dass Uneinsichtige Wurzeln schlugen, aber sogleich zerfiel ihre Existenz. (9) Ihre Söhne seien fern von Rettung! An den Türen der Geringen seien sie verspottet, keiner befreie sie! Was jenen bereitet ist, werden Gerechte essen. Sie selbst aber werden aus dem Schlechten nicht zu befreien sein” (Hiob 4, 19-5,5; Hiob 15, 15b, 16a LXX). 40: (1) Es ist nun also ganz klar, dass dies so ist. Wir haben tiefe Erkenntnis Gott betreffend und müssen alles angemessen und zu bestimmten Zeiten tun, wie der Herr geboten hat. (2) Was wir Gott darbringen und die Gottesdienste sind durchzuführen. Er hat nicht geboten, dass dies beliebig und ohne Ordnung geschehen möge, sondern zu festgesetzten Zeiten und Stunden. (3) Wo und durch wen er es vollzogen haben will, hat er durch seinen erhabenen Willen festgesetzt, damit alles würdig abläuft und seinem Willen wohlgefällt. (4) Die nun ihre Gaben zu den vorgeschriebenen Zeiten darbringen, die nimmt er an und sie sind glückselig, denn sie folgen den Gesetzen des Herrn und begehen keine Verfehlung. (5) Denn dem Hohenpriester sind eigene Dienste übertragen, den Priestern ist eine eigene Stellung verordnet, und den Leviten obliegen eigene Dienste. Der kein Amt hat, ist an die entsprechenden Ordnungen gebunden. 41: (1) Brüder, jeder von uns soll an seiner Stelle Gott gefallen, mit gutem Gewissen bestehen, die festgesetzte Regel für seinen Dienst nicht übertreten, in Ehrbarkeit! (2) Nicht überall, Brüder, werden regelmäßige Opfer dargebracht oder Lobopfer, Sühnopfer oder Schuldopfer, sondern nur in Jerusalem. Auch dort wird nicht überall geopfert, sondern vor dem Heiligtum am Altar. Durch den Hohenpriester und die vorher genannten Diener werden die Opfergaben auf ihre Tadellosigkeit überprüft. (3) Die nun entgegen seinem Willen nicht pflichtgemäß handeln, erhalten angemessen den Tod (als Strafe). (4) Seht, Brüder, mit je mehr Erkenntnis wir gewürdigt werden, desto mehr sind wir gefährdet. 42: Unsere Apostel haben von dem Herrn Jesus Christus gute Botschaft erhalten, Jesus der Christus wurde von Gott gesandt. (2) Der Christus kommt also von Gott und die Apostel von dem Christus. Beides also geschah nach göttlicher Ordnung und Gottes Willen. (3) Die Apostel empfingen Aufträge und wurden völlig überzeugt durch unseren Herrn Jesus Christus und mit Gewissheit erfüllt durch Gottes Wort, und mit dem heiligen Geist erfüllt zogen sie aus und verkündigten das Kommen der Königsherrschaft Gottes. (4) So predigten sie in Landschaften und Städten und setzten erste Gemeindeleiter ein, nachdem sie durch den Geist geprüft hatten, Gemeindevorsteher und Diakone setzten sie ein für die, die zum Glauben kommen sollten. (5) Dies ist nichts Neues. Schon vor langer Zeit war über Vorsteher und Diakone geschrieben worden. So nämlich heißt es irgendwo in der Schrift: “Ich werde ihre Vorsteher einsetzen in Gerechtigkeit und ihre Diakone in Treue” (Jes. 60, 17 LXX). 43: (1) Ist es nicht zum Staunen, wenn die an Christus Glaubenden - von Gott zu einem solchen Werk bereitet - die Genannten einsetzen? Wie auch der selige Mose in seinem ganzen Hause treu diente und alle ihm übertragenen Anordnungen in heiligen Büchern aufzeichnete. Ihm folgten die übrigen Propheten, indem sie die mosaische Gesetzgebung bezeugten. (2) Als Eifersucht bezüglich der Priesterwürde aufgekommen war und die Stämme sich auflehnten, welcher mit dem ehrenvollen Namen ausgezeichnet werden sollte, ordnete er den zwölf Stammesführern an, ihm ihre Stäbe zu bringen, mit den Namen aller Stämme beschriftet. Er nahm die Stäbe, band sie zusammen, kennzeichnete sie mit den Siegelringen der Stammesführer und legte sie im Begegnungszelt nieder, auf dem Gottestisch. (3) Er verschloss das Zelt und wie die Stäbe auch die Schlüssel. (4) Und er sagte zu ihnen: “Männer, Brüder, der Stab, aus dem ein Spross hervorgeht, den hat Gott zum Priesteramt und Dienst erwählt”. (5) Als der Morgen gekommen war, rief er das ganze Israel zusammen, die sechshunderttausend Mann, zeigte den Stammesführern die Siegel, öffnete das Begegnungszelt und holte die Stäbe hervor. Der Stab des Aaron zeigte nicht nur Sprösslinge, sondern trug auch Frucht (nach 4. Mose 17, 16-26). (6) Was meint ihr, Geliebte? Sah Mose nicht voraus, dass es so kommen würde? Damit kein Aufruhr entstehen sollte in Israel, deshalb machte er es so, damit der Name des Wahren und Einzigen verherrlicht werden sollte. Dem sei die Ehre in alle Ewigkeiten. Amen. 44: (1) Auch unsere Apostel wussten durch unseren Herrn Jesus Christus, dass es um das Gemeindeleiteramt (Episkope = Vorsteheramt) Streit geben würde. (2) Aus diesem Grund setzten sie die oben Genannten ein, da sie im voraus erfahren hatten, worauf es hinauslaufen würde. Zwischenzeitlich gaben sie Anordnung, dass andere bewährte Männer ihr Leiteramt übernehmen sollten für den Fall, dass sie selbst ums Leben kämen. (3) Die unter ihnen Eingesetzten - oder hernach von anderen angesehenen Männern unter Zustimmung der ganzen Gemeinde, untadelig der Herde Christi untertänig, friedlich und großherzig, von allen mit gutem Zeugnis versehen über einen langen Zeitraum, - diese aus dem Dienst zu werfen, halten wir nicht für recht! (4) Es ist für uns keine kleine Sünde, wenn wir die, die untadelig und fromm ihre Gaben darbrachten, aus dem Leiteramt werfen. (5) Selig sind die vorangegangenen Ältesten, die - reich an Frucht und vollkommen - dahingeschieden sind. Sie müssen sich nicht fürchten, dass etwa jemand sie absetzen könnte von der für sie errichteten Stelle. (6) Sehen wir doch, dass ihr einige, die guten Wandel führten, vertrieben habt aus dem ihnen gegebenen Dienst und Leiteramt, das sie untadelig in Ehren hielten. 45: (1) Brüder, seid Wetteiferer! Eifert um das, was sich auf das Heil bezieht! (2) Ihr habt euch in die heiligen, wahren, durch den heiligen Geist gegebenen Schriften vertieft. (3) Ihr wisst, dass nichts Falsches und kein Plagiat in ihnen geschrieben steht! Ihr werdet nicht finden, dass Gerechte von heiligen Männern abgesetzt wurden. (4) Gerechte wurden verfolgt, und zwar von Frevlern. Sie wurden ins Gefängnis gesetzt, aber von Gottlosen. Sie wurden gesteinigt von Gesetzesverfälschern. Sie wurden von denen getötet, die von schmutziger und ungerechter Eifersucht befallen waren. (5) Sie erlitten und trugen dies ehrenvoll. (6) Was sagen wir, Brüder? Wurde Daniel von Gottesfürchtigen in die Löwengrube geworfen? (7) Oder wurden Hananias, Asarja und Misael von Menschen, die sich dem erhabenen und herrlichen Dienst vor dem Höchsten widmeten, in den Feuerofen gesperrt? Nie und nimmer! Welche Menschen nun taten dies? Gräuelhafte und von allem Schlechten Besessene steigerten sich in solche Wut hinein, dass sie die in heiliger und reiner Haltung Gott Dienenden in Leiden stürzten. Sie sahen nicht, dass der höchste Allmächtige auch der Beschützer derer ist, die in reiner Haltung seinem hochheiligen Namen dienen. Dem sei die Ehre in alle Ewigkeiten. Amen.            46: (1) Brüder, solchen Vorbildern müssen auch wir uns anschließen. (2) Denn es steht geschrieben: “Schließt euch den Heiligen an, damit ihr, die ihr euch anschließt, geheiligt werdet” (Zitat unbekannter Herkunft. Anm. der Übersetzerin). (3) Und an einer anderen Stelle steht: “Mit einem unschuldigen Menschen zusammen wirst du unschuldig sein, mit einem auserwählten wirst du auserwählt sein, mit einem verschlagenen wirst du verkehrt sein” (Ps. 17, 26b+27 LXX). (4) Wir wollen uns also an die Unschuldigen und Gerechten anschließen! Denn diese sind von Gott Auserwählte. (5) Weshalb sind Streit, Zorn und kämpferische Entzweiung bei euch vorhanden? (6) Haben wir etwa nicht EINEN Gott und EINEN Christus und EINEN Gnadengeist, der über uns ausgegossen ist, und EINE Berufung in Christus? (7) Weshalb ziehen und zerren wir die Glieder Christi auseinander und organisieren einen Aufstand gegen den eigenen Leib und kommen zu solchem Unverstand, dass wir vergessen, dass wir zueinander gehören? Erinnert euch an die Worte unseres HERRN Jesus: (8)  Er sagte nämlich: “Weh jenem Menschen! Es wäre besser für ihn, wenn er nicht geboren worden wäre, als dass er einen meiner Auserwählten zum Stolpern brächte. Es wäre besser für ihn, ein Mühlstein würde ihm umgelegt und man würde ihn ins Meer versenken, als dass er einen meiner Auserwählten verdürbe” (aus mündlicher bzw. außerkanonischer Tradition zitiert. Anm. der Übersetzerin). (9) Eure Spaltung hat viele ins Verderben gebracht, viele in Mutlosigkeit gestürzt, viele in Zweifel, euch alle in Leiden, und euer Aufstand dauert noch an. 47: (1) Nehmt euch den Brief des seligen Apostels Paulus vor! (2) Was schrieb er euch zu Beginn der Evangeliumsverkündigung? (3) Er sandte euch die Briefbotschaft auf wahrhaftige und geistliche Weise, und zwar über sich selbst, Kephas (= Petrus) und Apollos, denn auch damals hattet ihr durch Zuneigung zu dem einen oder anderen Parteien gebildet (siehe 1. Kor. 1, 12). (4) Aber jene Parteiung brachte euch geringere Sünde bei, denn ihr stelltet euch Partei ergreifend zu Aposteln, die Zeugen waren und zu einem Mann, den ihr persönlich schätztet. (5) Nun aber bemerkt doch, welche Leute euch verführt haben und wie sie den ehrenwerten Ruf eurer Bruderliebe zunichte gemacht haben. (6) Eine Schande, Geliebte, eine übergroße Schande und der Lebensführung in Christus unwürdig, dass man hört, dass die gefestigte und alte Kirche der Korinther wegen einer oder zwei Personen sich gegen die Presbyter auflehnt! (7) Und diese Kunde kam nicht nur bis zu uns, sondern auch zu denen, die anders denken und glauben als wir, so dass durch euren Unverstand Blasphemie über den Namen des HERRN gebracht wurde, für euch selbst ergibt das Gefahr. 48: (1) Geben wir das also schnell auf, werfen uns vor dem HERRN nieder und bitten ihn flehentlich, dass er gnädig sei und uns mit sich versöhne und uns zurückbringe zur ehrwürdigen Bruderliebe und heiligem Wandel. (2) Dies ist nämlich das Tor, das die Gerechtigkeit uns öffnet: zum Leben, wie geschrieben steht: “Öffnet mir das Tor der Gerechtigkeit! Ich will den Herrn preisen, indem ich durch es eintrete. (3) Dies ist das Tor zum Herrn. Gerechte werden durch es eintreten!” (Ps. 117, 19+20 LXX). (4) Von den vielen geöffneten Toren ist das eine das in Christus zur Gerechtigkeit. Selig sind alle, die in dieses eintreten und ihren Weg geradewegs in Heiligkeit und Gerechtigkeit gehen, unbeirrt vollbringen sie alles: (5) Ob jemand glaubt, ob er Erkenntnis aussprechen kann, ob einer weise ist um Durchblick bezüglich von Worten und Reden, oder ob jemand ehrwürdig handelt. (6) So muss er um so mehr demütige Gesinnung haben, je größer er zu sein scheint, auch muss er sich um den Nutzen für alle bemühen, und nicht um den eigenen. 49: Wer Liebe in Christus hat, halte die Gebote Christi! (2) Wer kann das Band der Liebe Gottes beschreiben? (3) Wer kann die Größe seiner Schönheit hinreichend ausdrücken? (4) Die Höhe, in die die Liebe uns bringt, ist unbeschreiblich! (5) Liebe verbindet uns mit Gott. “Liebe deckt eine Menge Sünden zu” (vgl. 1. Petr. 4,8), die Liebe erträgt alles, sie erduldet alles. In der Liebe ist keine Gemeinheit, nichts Überhebliches. (vgl. 1. Kor. 13). Die Liebe kennt keine Spaltung, die Liebe lehnt sich nicht auf, die Liebe tut alles in Eintracht. In der Liebe wurden alle Auserwählten Gottes vollendet. Ohne Liebe ist vor Gott nichts wohlgefällig. (6) In Liebe hat der HERR uns angenommen. Aufgrund der Liebe, die er zu uns hat, hat unser Herr Jesus Christus nach Gottes Willen sein Blut für uns dargebracht, sein Menschsein für unser Menschsein, sein Leben für unser Leben. 50: (1) Seht, Geliebte, wie groß und wunderbar die Liebe ist, ihre Vollkommenheit ist unbeschreiblich! (2) Wer wird ausreichend in der Liebe angetroffen? Nur die sind dazu imstande, die Gott für würdig erachtet. Erbitten und erflehen wir von seinem Erbarmen, dass wir in Liebe angetroffen werden, unparteiisch gegenüber Menschen, ohne Tadel. (3) Alle Generationen von Adam bis zum heutigen Tag sind vergangen. Aber die in Liebe Vollendeten haben, gemäß Gottes Gnade, Raum für Frömmigkeit. Sie werden offenbar werden, wenn die Königsherrschaft des Christus erscheint. (4) Denn es steht geschrieben: “Tretet in die Kammern ein für einen kleinen Augenblick, bis mein Zorn und meine Wut vergangen sind. Eines guten Tages werde ich mich an euch erinnern und euch aus euren Gräbern auferwecken” (vgl. Jes. 26, 20; Hes. 37, 12). (5) Geliebte, wir sind glückselig, wenn wir die Gebote Gottes im Namen der Liebe hielten, damit uns durch Liebe die Sünden vergeben werden. (6) Denn es steht geschrieben: “Glückselig, denen die Sünden vergeben worden sind, deren Sünden zugedeckt worden sind. Zu beglückwünschen ist der Mensch, dessen Sünden der nicht anrechnet, in dessen Mund nichts Falsches ist” (Ps. 31, 1+2 LXX). (7) Diese Seligpreisung bezog sich auf Gottes Auserwählte, durch unseren Herrn Jesus Christus. Dem sei die Ehre in alle Ewigkeiten. Amen.                     51: (1) Für das nun, was wir falsch gemacht und durch einige Verführungen des Feindes getan haben, wollen wir bitten, dass uns vergeben wird. Und jene, die die Anführer des Aufstands und der Entzweiung gewesen sind, müssen unbedingt ins Auge fassen, dass die Hoffnung Gemeinsames schafft. (2) Denn die mit Ehrfurcht und Liebe ihr Leben führen, wollen eher sich selbst schlecht behandeln lassen als dass sie das ihren Mitmenschen wünschen. Sie ertragen eher die Missbilligung ihrer eigenen Person, als die Missbilligung der uns übergebenen guten und rechten Eintracht. (3) Es ist nämlich für den Menschen besser, die Vergebung seiner eigenen Sünden zu erbitten, als ein hartes Herz zu haben. So wurde ja das Herz der Menschen hart, die gegen Mose, den Diener Gottes, einen Aufstand organisierten, deren Verurteilung wurde klar: (4) Sie fuhren lebend in den Hades, der Tod nimmt sich ihrer an (LXX Ps. 48, 15. Übersetzung: C. Roman). (5) Pharao, sein Heer und alle Führer Ägyptens, seine Wagen und Wagenlenker wurden aus keinem anderen Grund ins Rote Meer versenkt und gingen unter, als wegen ihrer verhärteten und unvernünftigen Herzen, zumal sich ja die Zeichen und Wunder durch Mose, den Diener Gottes, in Ägypten ereignet hatten. 52:  (1) Geliebte, der Herr braucht dazu nichts von alledem. Er braucht überhaupt nichts von jemandem, außer dass er gepriesen wird und die Menschen sich zu ihm bekennen. (2) David, der Auserwählte, sagt: “Ich will den Herrn preisen, und das wird ihm besser gefallen als junges Rind, das Hörner und Klauen hat. Die Armen sollen es sehen und froh sein” (Ps. 69, 31-33 LXX). (3) Und noch einmal sagt er: “Bringe Gott ein Lobopfer und erstatte dem Höchsten deine Gelübde. Rufe zu mir, wenn du leidest, ich werde dich erretten und du wirst mich preisen” (Ps. 49, 14+15 LXX). (4) “Ein zerschlagener Geist ist ein Opfer für Gott” (Ps. 50, 19 LXX). 53: (1) Geliebte, ihr kennt ja die heiligen Schriften, ihr kennt sie gut, ihr habt euch in Gottes Aussprüche vertieft. Wir schreiben dies zu eurer Erinnerung: (2) Nachdem Mose auf den Berg gestiegen war und vierzig Tage und vierzig Nächte mit Fasten und in Demütigung zugebracht hatte, sprach Gott zu ihm: “Steig schnell von hier hinab, denn dein Volk, das du aus Ägypten herausgeführt hast, hat gesündigt. Sie sind schnell von dem Weg gewichen, den du ihnen geboten hattest. Sie haben sich Gussbilder hergestellt (s. 2. Mose 32, 7+8). (3) “Der Herr sprach zu ihm: Ich habe einmal und zweimal folgendermaßen zu dir gesprochen: Ich habe dieses Volk gesehen, es ist starrsinnig. Lass mich sie ausrotten, ich will ihren Namen unter dem Himmel auslöschen, dann will ich dich zu einem großen Volk machen, das wunderbar und viel größer ist als dieses” (5. Mose 9, 13+14 LXX). (4) Und Mose antwortete: “Nie und nimmer, Herr! Vergib diesem Volk die Sünde, oder lösche auch mich aus dem Buch der Lebenden aus!” (vgl. 2. Mose 32, 31+32). (5) O große Liebe, o unübertreffliche Vollkommenheit! Der Diener spricht frei zum Herrn, erbittet Vergebung für die Leute, oder auch er wolle mit ihnen ausgelöscht werden. 54: (1) Wer von euch hat nun edle Gesinnung, wer ist liebevoll? (2) Der sage: Wenn durch mich Aufruhr, Eifersucht und Spaltungen entstanden, gehe ich in eine andere Gegend, ich gehe weg, wohin ihr wollt und tue, was die Mehrheit anordnet. Hauptsache, dass die Herde Christi in Frieden mit den eingesetzten Ältesten lebt. (3) Wer sich so verhält, dem wird in Christus großer Ruhm zukommen, und jeder Ort wird ihn aufnehmen, denn “die Erde und was sie erfüllt gehört dem Herrn” (Ps. 23, 1 LXX). (4) So haben sich die verhalten und werden sich die verhalten, die in rechter Haltung vor Gott leben und dies nicht bereuen müssen. 55: (1) Ich nenne ein Beispiel aus der Welt der Heidenvölker: Viele Könige und Herrscher haben sich in irgendwelchen Seuchenzeiten selbst nach ergangenem Orakelspruch dem Tod ausgeliefert, damit die Bürger durch ihr Blut gerettet würden. Viele wanderten aus ihrer eigenen Stadt aus, um einen weiteren Aufruhr zu verhindern. (2) Wir wissen von vielen bei uns, die sich selbst den Fesseln übergeben haben, um andere loszukaufen. Viele begaben sich selbst in Sklaverei, empfingen deren Kaufpreis und speisten andere. (3) Viele Frauen vollbrachten, durch Gottes Gnade gestärkt, viele mannhafte Werke. (4) Die selige Judith erbat, als die Stadt belagert wurde, von den Ältesten die Erlaubnis, dass sie ins Lager der Heiden gehen dürfte. (5) Sie lieferte sich selbst der Gefahr aus. Sie ging aus Liebe zum Vaterland hinaus zum belagerten Volk. Der Herr übergab Holofenes in die Hand einer Frau (vgl. Judith 8-13). (6) Die vollkommen gläubige Ester begab sich in nicht geringe Gefahr, um das Zwölfstämmereich Israel zu retten, als ihnen der Untergang drohte. Denn durch ihr Fasten und ihre Demütigung richtete sie ihre Bitte an den HERRN, der alles sieht, an den Gott des Alls. Als er ihre gedemütigte Seele sah, errettete er das Volk, um dessentwillen sie Gefahr auf sich genommen hatte.  56: (1) Wir wollen also für die beten, die in irgendeine Sünde geraten sind, dass ihnen Milde und Demut gegeben werde und dass sie nicht uns, sondern dem Willen Gottes Folge leisten. So werden sie Frucht und Vollkommenheit vor Gott haben und der Heiligen liebevoll gedenken. (2) Nehmen wir die Zurechtweisung, der niemand sich widersetzen darf, Geliebte. Die Ermahnung, die ihr euch gegenseitig gebt, ist gut und überaus nützlich, denn sie verbindet uns mit dem Willen Gottes. (3) So heißt es ja im heiligen Wort: “Der Herr hat mich zurechtgewiesen, aber nicht dem Tod übergeben” (Ps. 117, 18 LXX). (4) “Wen der Herr liebt, den weist er zurecht. Er züchtigt jeden Sohn, den er liebt” (Spr. 3, 12). (5) “Er wird mich zurechtweisen, als gerecht wird er sich mit Erbarmen erweisen. Öl von Sündern aber soll mein Haupt nicht salben” (Ps. 140, 5 LXX). (6) Und wiederum heißt es: “Zu beglückwünschen ist der Mensch, den der Herr zurechtweist. Lehne nicht Ermahnungen des Allmächtigen ab! Er bereitet Schmerz, aber er stellt wieder her. (7) Er wies zurecht, aber seine Hände heilten. (8) Sechsmal wird er dich aus Nöten erretten, beim siebten Mal wird das Böse dich nicht treffen. (9) In Hunger wird er dich vor dem Tod bewahren, im Krieg wird er dich vor dem Schwert retten. (10) Er wird dich verbergen vor geißelnder Zunge, du sollst dich nicht fürchten vor hereinbrechenden Übeln. (11) Über Ungerechte und Frevler sollst du lachen, (12) wilde Tiere werden friedlich mit dir leben. (13) Dann sollst du erkennen, dass dein Leben in Frieden stattfindet. Deine Wohnstätte wird keinen Mangel leiden. (14) Du sollst erkennen, dass deine Nachkommenschaft vielzählig sein wird, deine Kinder wie Feldkräuter. (15) Du wirst ins Grab kommen wie reifes Korn, zur rechten Zeit geerntet, wie ein Garbenhaufen auf der Tenne, zur rechten Stunde eingebracht” (Hiob 5, 17-26 LXX). (16) Seht, Geliebte, wie die beschützt werden, die von dem Herrn zurechtgewiesen werden. Als guter Vater weist er uns zurecht, um sich durch seine heilige Züchtigung über uns zu erbarmen. 57: (1) Ihr nun, die ihr den Ursprung des Aufstands veranstaltet habt, ordnet euch den Ältesten unter und lasst euch zum Sinneswandel bringen! Beugt die Knie eures Herzens! (2) Lernt euch unterzuordnen, legt die großtuerische und eingebildete Selbstgefälligkeit eurer Zunge ab! Denn es ist besser für euch, in der Herde Christi klein und dazugehörig vorgefunden zu werden, als übermäßig zu gelten und aus der Hoffnung, die in seiner Herde ist, ausgeschlossen zu sein. (3) So spricht die vorzüglichste Weisheit: “Seht, ich werde die aus meinem Mund gehauchte Rede verkündigen, ich werde euch mein Wort lehren. (4) Ich rief, und ihr gehorchtet nicht, ich breitete Worte aus und ihr achtetet nicht darauf, sondern ihr machtet unwirksam, was ich will, meinen Weisungen folgtet ihr nicht. Deshalb werde ich über euer Verderben lachen, werde spotten, wenn ihr untergeht oder wenn ihr plötzlich in Verwirrung geratet, wenn die Katastrophe hereinbricht wie ein plötzlicher Wind, oder wenn euch Elend und Belagerung passiert. (5) So wird es sein: Wenn ihr mich anruft, werde ich euch nicht erhören; Übeltäter werden mich suchen, aber nicht finden. Sie hassten die Weisheit, Gottesfurcht nahmen sie nicht an, sie wollten meinen Ratschluss nicht haben, sie spotteten über meine Weisungen. (6) Also werden sie die Früchte ihrer eigenen Lebensweise essen und die Ergebnisse ihrer eigenen Gottlosigkeit zu sich nehmen. Denn dafür, dass sie an Jugendlichen Unrecht tun, sollen sie ausgetilgt werden, und die Musterung soll die Gottlosen vernichten. Wer aber auf mich hört, soll in Hoffnung vertrauensvoll sein Zelt bewohnen und furchtlos Ruhe haben von allem Schlechten” (Sprüche 1, 23-33). 58: (1) Wir wollen seinem allheiligen und herrlichen Namen untertan sein und von den erwähnten Drohungen Abstand nehmen, die die Weisheit den Ungehorsamen androht, damit wir im Vertrauen auf den heiligsten Namen seiner Majestät leben können. (2) Nehmt unseren Rat an, das werdet ihr nicht bereuen. Denn Gott lebt, und der HERR Jesus Christus lebt und der heilige Geist, und der Glaube und die Hoffnung der Auserwählten, damit der, der in Demut mit beständiger Milde ohne Wanken die von Gott gegebenen Gebote und Anordnungen befolgt, eingeordnet und dazu gezählt sein wird zu der Zahl der Erretteten durch Jesus Christus, dem die Ehre zukommt in alle Ewigkeiten Amen. 59: (1) Wenn aber einige dem von uns Gesagten nicht gehorsam sind, mögen sie erkennen, dass sie in Verfehlung und in nicht geringe Gefahr verwickelt sind. (2) Wir aber werden unschuldig an dieser Sünde sein und mit inständigem Bitten und Flehen darum bitten, der Schöpfer des Alls möge die gezählte Anzahl seiner Erwählten in der ganzen Welt durch Jesus Christus, seinen geliebten Knecht, unversehrt erhalten, durch den er uns aus der Finsternis zum Licht, aus Nichtwissen zur Erkenntnis und zur Herrlichkeit berufen hat, die in seinem Namen liegt, (3) hoffen wir auf deinen Namen, der du der Uranfang der ganzen Schöpfung bist. Du hast die Augen unseres Herzens geöffnet, damit wir dich erkennen, den allein Höchsten im Höchsten, den Heiligen, der im Heiligen ruht; dich, der du die Überheblichkeit der Überheblichen niedersetzt, du löst die Pläne der Heiden auf, den Demütigen erhebst du, die Überheblichen erniedrigst du. Du machst reich und machst arm, du tötest und schaffst Leben; du einziger Wohltäter unter den Geistern und Gott allen Lebens, der du in die Abgründe siehst, beobachtest die Werke der Menschen, bist Helfer derer in Gefahren, bist Retter der Verzweifelten, Schöpfer und Bewahrer allen Geistes. Du machst die Völker zahlreich auf Erden und hast aus allen die erwählt, die dich durch Jesus Christus, deinen geliebten Knecht, lieben, durch den du uns erzogen, geheiligt und geehrt hast. (4) Wir bitten dich, HERR, sei unser Helfer und Beschützer! Errette die unter uns, die im Leiden sind! Richte die Gefallenen wieder auf, erscheine den Betenden, heile die Schwachen; die aus deinem Volk herumirren, bringe auf den richtigen Weg! Sättige die Hungernden, mach unsere Gefangenen frei! Lass die Schwachen wieder aufstehen, tröste die mit geringer Lebenskraft! Alle Völker sollen dich erkennen, dass du der einzige Gott bist und Jesus Christus dein Knecht und wir dein Volk und die Schafe auf deiner Weide. 60: (1) Du hast die ewige Weltordnung eingerichtet, du offenbartest ihre Kräfte. Du, HERR, hast die ganze Welt geschaffen, bist treu durch alle Generationen hindurch, gerecht in deinen Rechtssprüchen, wunderbar in Kraft und Herrlichkeit, du bist der Weise beim Erschaffen, der Kluge beim Errichten des Entstandenen, der Gütige im Sichtbaren und der Liebevolle gegenüber denen, die dir vertrauen. Du hast Mitleid und Erbarmen. Vergib uns unsere Übertretungen und unrechten Taten, unsere Fehltritte und Irrtümer. (2) Rechne all die Sünden deiner Knechte und Mägde nicht an, sondern reinige uns durch deine Wahrheit, und lenke unsere Schritte und heilige unsere Herzen, damit wir leben und das Gute und das vor dir Wohlgefällige vor dir und unseren Herrschern tun. (3) Ja, HERR, lass dein Angesicht über uns leuchten zum Guten und zum Frieden, damit wir durch deine Hand behütet werden und bewahrt und beschützt vor aller Sünde durch deinen hoch erhabenen Arm. Und bewahre uns vor denen, die uns zu Unrecht hassen! (4) Gib uns Eintracht und Frieden, uns und allen, die den Erdkreis bewohnen, - wie du unseren Vätern gegeben hast, als sie dich gottesfürchtig anriefen in Glauben und Wahrheit, - die wir deinem allherrscherlichen und vollkommen Namen gehorsam geworden sind, auch unseren Herrschern und Regierenden auf der Erde. 61: (1) Du, HERR, hast ihnen Königsherrschaft gegeben durch deine herrliche und unbeschreibliche Kraft, damit wir erkennen, welche Macht und Würde du ihnen gegeben hast, uns ihnen unterordnen und uns deinem Willen nicht entgegenstellen. HERR, gib ihnen Wohlbefinden, Frieden, Eintracht und Beständigkeit, damit sie die ihnen von dir übertragene Herrschaft tadellos ausüben. (2) Denn du, himmlischer HERR, König der Weltzeiten, gibst den Menschen Herrlichkeit und Würde und Macht über das, was auf der Erde vorhanden ist. HERR, lenke du ihren Willen dem gemäß was vor dir gut und wohlgefällig ist, damit sie ihre von dir gegebene Macht in Frieden, Milde und frommer Haltung ausüben und Teil haben an deiner Huld. (3) Du allein kannst solches und noch viel mehr Gutes bei uns tun. Dir bringen wir Lob durch den Hohenpriester und Beschützer unserer Seelen, Jesus Christus, durch den dir die Ehre und die Majestät zukommt wie jetzt, so auch von Generation zu Generation und in alle Ewigkeiten. Amen 62: (1) Was nun unserer Glaubenspraxis angemessen und denen zu rechtschaffenem Leben nützlich ist, die fromm und gerecht leben wollen, haben wir euch ausreichend mitgeteilt, Männer, Brüder. (2) Denn über Glauben, Sinnesänderung und wahre Liebe, über innere Stärke, Besonnenheit und Geduld haben wir jeden Punkt erwähnt, indem wir euch daran erinnert haben, dass ihr dem allmächtigen Gott gefallen müsst, und zwar in Gerechtigkeit, Wahrheit und Großmut, indem ihr in Liebe und Frieden - ohne Böses anzurechnen -, mit ausdauernder Milde die Eintracht pflegt, wie auch unsere zuvor euch klar dargestellten Väter wohlgefällig waren, da sie gegenüber dem Vater, Gott und Schöpfer und gegenüber allen Menschen in demütiger Gesinnung waren. (3) Und dies bringen wir euch um so lieber in Erinnerung, als wir genau wussten, dass wir an gläubige und hochangesehene Männer schreiben, die sich in die Aussprüche und Weisungen Gottes vertiefen. 63: (1) Es ist nun also angemessen, dass wir uns diesen und solchen Vorbildern zuwenden, den Nacken beugen und den Standort einnehmen, an dem wir Gehorsam praktizieren, damit wir unter Verzicht auf den nutzlosen Aufruhr an das Ziel gelangen, das in Wahrheit vor uns liegt. (2) Ihr werdet uns Freude und Jubel bereiten, wenn ihr dem, was wir durch den heiligen Geist geschrieben haben, Gehör schenkt, und wenn ihr euren unwürdigen Eifer ablegt, der aus eurer Eifersucht entstand. So verhaltet ihr euch dem entsprechend, was wir bezüglich Frieden und Eintracht in diesem Brief geschrieben haben. (3) Wir senden zuverlässige und verständige Männer, die von Jugend an bis zum Alter bei uns waren, die zwischen euch und uns Zeugen sein werden. (4) Wir machen es so, damit ihr erkennt, dass unsere ganze Zielsetzung war und ist, dass ihr schnell in friedliche Verhältnisse kommt. 64: Es bleibt noch zu sagen: der Gott, der alles sieht, der Herr der Geister und Herr über alles Fleisch, der Jesus Christus und uns durch ihn auserwählt hat zu einem bevorzugten Volk, gebe jeder Seele, die seinen erhabenen und heiligen Namen angerufen hat, Glauben, Ehrfurcht, Frieden, Geduld; auch Großmut, innere Stärke, Selbstbeherrschung und Besonnenheit, damit sie seinem Namen wohlgefällig sei durch unseren Hohenpriester und Beschützer Jesus Christus. Durch IHN sei IHM Ehre und Majestät, Stärke und Ruhm, wie jetzt auch in alle Ewigkeiten. Amen. 65: (1) Unsere Abgesandten aber, Claudius Ephebus und Valerius Bito mit Fortunatus sendet in Frieden mit Freude schnell zu uns zurück, damit sie uns bald die Nachricht vom erwünschten Frieden und der Eintracht bringen, damit wir uns auch sehr bald über die gute Ordnung bei euch freuen können. (2) Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch und mit allen überall, die von Gott durch IHN berufen sind und durch den sei IHM Ehre, Ruhm, Stärke, Majestät und ein ewiger Thron von Ewigkeiten in alle Ewigkeiten. Amen.                   - -  - -   - -  (Die sehr alte lateinische Übersetzung enthält hier am Ende die Aussage: “Ende des Briefes des Clemens an die Korinther”. Anm. der Übersetzerin).

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